Eine Welt voller Wunder

 


Er wunderte sich. Er wunderte sich über den Regen, der die Bäume wachsen ließ. Er wunderte sich über die Wiesen und Felder, die in voller Blüte standen und einfach nur schön waren. Er wunderte sich über die Hingabe in den Dingen. Er wunderte sich über die Sonne, die allen Lebewesen und allen Pflanzen Kraft schenkt. Einfach so. 

Er wunderte sich über das Glück, das er empfand, wenn er durch diese Welt streifte, die so voll Schönheit und voll Liebe war. Überall, wohin er nur sah. Alles war so erfüllt von Schönheit, Liebe und Hingabe. Er wunderte sich, dass er scheinbar der Einzige war, dem das auffiel. Er wunderte sich über die Herrlichkeit in allem. Wie konnte das nicht jedem auffallen. So viele gebeugte Köpfe, so viele traurige Gesichter. Er wunderte sich, was ihnen wohl fehlte, diesen vielen grauen Menschen, die den Sinn für die Schönheit und die Liebe verloren hatten. Er wunderte sich, was er wohl tun könne, um ihnen davon zu erzählen, ihren Blick dorthin zu lenken. 

Er legte sich auf eine duftende Wiese, schaute zum Himmel und atmete. Atmete den Duft der Kräuter, das Licht der Sonne und das Blau des Himmels ein. Er atmete die Liebe, die Schönheit und die Hingabe in allen Dingen ein. Manche Menschen blieben stehen und schauten ihn verwundert an. Sie konnten nicht begreifen, was er da machte. Sie schauten ebenfalls zum Himmel, aber sie konnten dort nichts weiter entdecken. 

„Wohin schaut er bloß?“ fragten sie sich. 

Manche zuckten ratlos mit den Schultern und gingen traurig weiter. Andere wurden wütend. Was machte dieser Taugenichts da? Einfach im Gras herumliegen, faulenzen während man selbst doch so viel arbeiten musste, den ganzen lieben langen Tag. Immer nur Arbeit. Und dieser Tunichtgut lag einfach herum und freute sich des Lebens. Das war nicht auszuhalten. Wütend stampften sie mit den Füßen auf den Boden. Sie waren noch übler gelaunt als vorher, weil der Übeltäter sich auch durch ihr Geschimpfe nicht abhalten ließ. Als er sie auch noch mit liebendem Blick ansah, wurde es den wütenden zu viel und sie gingen weg. Noch wütender und trauriger. Aber die liebenden Augen blieben ihnen im Gedächtnis. 

Vereinzelt kamen sie am nächsten Tag wieder, um zu sehen, ob dieser Landstreicher dort immer noch lag. Aber er war weg. Nur eine Kuhle in der Wiese verriet, dass er am Tag vorher dort gelegen hatte. Manch einer wagte, sich in die Kuhle hinein zu legen, in den Himmel zu sehen und tief zu atmen. Doch schon kamen andere, die das nicht gut hießen und schimpften. Manche legten sich aber auch dazu. Erst suchend noch blickten sie nach oben, redeten wild und schnell, suchten nach Erklärungen dafür, warum man sich wohl einfach im Sommer auf eine Wiese legen und in den Himmel schauen sollte. Einige verstanden plötzlich und blieben liegen. Andere kratzten sich und schimpften auf die Ameisen, sprangen auf und liefen nervös weiter. Überall im Land sah man nach und nach Menschen im Gras liegen und zum Himmel schauen, tief ein - und ausatmen. Manche waren auch auf Bäume geklettert und erblickten von dort aus die Schönheit der Welt. Von erhöhter Position sieht alles ganz anders aus. Wieder andere gingen zu den Tieren, umarmten sie und dankten ihnen. Einfach so. Sie wussten auch nicht so genau warum. 

Ein Netz von Dankbarkeit breitete sich langsam aus über die ganze Welt. Dankbarkeit für die Schönheit und Hingabe der Natur. Dankbarkeit für die Sonne und den Regen. Dankbarkeit für den Schnee und den Wind. Denn alles hat seine ganz eigene Aufgabe im Weltengefüge. Plötzlich konnten die Menschen das sehen. Es war ihnen bewusst geworden. So betrachteten sie alles mit neuen Augen. Als habe sich die Welt und das Leben verändert. Sie atmeten tief ein und aus. Sie spürten die Wärme der Sonne. Sie spürten die fruchtbare Botschaft des Windes. Sie spürten die heilsame Energie des Regens. Sie tanzten im Schnee und waren dankbar dafür wie er die Welt ruhen ließ unter seiner sanften Decke. Sie drehten sich und hopsten wie die Kinder. Sie sprangen und sangen als gäbe es nichts Schöneres als auf der Welt zu sein, als zu feiern, dass wir am Leben sind. Sag ehrlich: gibt es etwas Schöneres?

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