Der lange Weg zum »about me«



Das geht ja gut los mit meinem Blog. Ich suche und suche und kann den Weg zum »about me« nicht finden. Da muss es doch irgendeinen Button geben oder ein Feld, wo man das reinschreibt. Aber nein. Findet sich nicht. Egal. Dann schreibe ich darüber eben meinen ersten Post. Über mich. Hilfe. Dabei ist doch genau das immer am Schwierigsten. Meinen eigentlichen Beruf hasse ich genau dafür. Dieses ständige sich präsentieren müssen. 

Ich bin Schauspielerin und ich liebe es, die Leute zum lachen zu bringen oder zum weinen. Wenn die Menschen bewegt sind von dem was ich tue. Als Autorin geht es mir genauso. Aber dieses sich präsentieren...Was habe ich schon für Massen von Fotos von mir betrachtet, Lebensläufe geschrieben. Jedes Jahr aufs neue. Sogar »about me-Videos« habe ich gedreht. Nicht zu fassen.

Einmal habe ich eine Castingtour gemacht. Ich bin also mit meinen Fotos von einer Casterin zur nächsten spaziert, habe mich vorgestellt, präsentiert und ganz viel »about me« erzählt. So gut ich es eben konnte.  Die erste Casterin zeigte völlig begeistert auf eines meiner Bilder. »Also dieses Bild ist fantastisch,« sagte sie. »Es trifft sie wirklich sehr gut.«

Eine Stunde später hatte ich den nächsten Termin. Die Casterin blätterte meine Unterlagen durch und riet mir das Bild, das ihre Kollegin so fantastisch und treffend fand, aus meiner Mappe zu entfernen, weil es so gar nichts mit mir zu tun habe. Hurra. Was für eine Freude. Wieder was gelernt. Da habe ich mich jahrelang damit beschäftigt, wie ich als Schauspielerin gefunden werde für die passende Rolle und plötzlich stelle ich fest, dass ich nur eine Projektionsfläche dessen bin, was der andere in mir zu sehen bereit ist. Warum sind denn Models oft so glatte am besten makellose Schönheiten? Damit man sich nicht über die Models Gedanken macht, sondern über das Produkt für welches sie ihr Gesicht hinhalten. 

Ja und das hat leider bei mir noch nie funktioniert. Dafür bin ich viel zu eigen und wenn ich ganz ehrlich bin interessiert es mich auch nicht die Bohne, mein Gesicht für irgendetwas hinzuhalten. Nein. Ich bin eine eigenständige Persönlichkeit, die etwas zu sagen hat und einen künstlerischen Beruf gewählt hat, um sich auszudrücken. Das mache ich egal welcher Tätigkeit ich nachgehe. Ich kann nicht anders. Beim spielen, beim schreiben, beim malen, beim Regie führen. Ich drücke mich aus. Ich presse aus mir heraus, was raus will, wenn man das Wort »Ausdruck« wörtlich nehmen möchte. Weil etwas herauswill aus mir, was sich mich als Durchgang ausgesucht hat. Wie bei einer Geburt. Eine Seele sucht sich die Mutter aus durch die sie in die Welt geboren werden möchte. Die Mutter nährt das Kind, liebt es, behütet es. Und wenn es soweit ist, dann lässt sie es gehen, hinein in die Welt. 

Der künstlerische Prozess ist ganz ähnlich. Mir fliegt etwas zu, nistet sich ein, möchte dort heranreifen und irgendwann will es raus, möchte es hinausgedrückt, ausgedrückt werden von mir. 

Ich merke schon. Ich habe völlig den Faden verloren. Eigentlich wollte ich doch etwas »about me« schreiben. Da haben wir jetzt den Salat. Das kommt dabei raus, wenn ich mich präsentieren soll!!!

 


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